Théâtre des Capucins

Am Ziel

Thomas Bernhard

Freitag 30. Januar 2009 um 20 Uhr
Dauer 2 Stunden
Erwachsene 20 €, Studenten 8 €

Thomas Bernhard zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist einer der regelmäßig aufgeführten Dramatiker im Kapuzinertheater. So im Jahre 1998 mit Die Macht der Gewohnheit und im Jahre 2006 mit Minetti.

» Also missverstehen Sie mich nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich und alle anderen mit allen verwandt sind. [...] Dass auch der liebe Gott in einem ist und die Nachbarin und überhaupt alles, was lebt. Man könnte sich mit allen identifizieren. Das ist die Frage, wieweit unterdrückt man und beherrscht man alle diese Millionen oder Milliarden von Möglichkeiten von Menschen, die man in sich hat. Thomas Bernhard

DE
Das ganze Jahr freuen sich Mutter und Tochter auf den Ferienaufenthalt in der schönen Villa am Meer, doch wenn sie angelangt sind, bedeutet der Aufenthalt nur Unruhe und Frustration. Die Villa ist das Erbe vom Ehemann bzw. Vater. Er war wohlhabender Großindustrieller; sein Tod liegt Jahre zurück. Es hat den Anschein, als ob die Mutter in ihren Erzählungen und Betrachtungen versucht, eine Rechtfertigung für ihre Beziehung zu diesem Mann zu finden: Offensichtlich hatte sie als Tochter armer Leute kein anderes Ziel als ein sorgenfreies Leben in gesichertem Wohlstand. Sie hat es verwirklicht, in einer berechnend herbeigeführten Ehe mit dem reichen Gusswerk-Besitzer. So hat sie denn auch alles getan, ihn, dem sie sich geistig weit überlegen fühlte, zu demütigen. Die Tochter betrachtet sie als ihr Eigentum, dem sie niemals die Freiheit gewähren wird.
Die Spannung im Verhältnis beider Frauen bekommt unvermittelt dramatische Züge, als ein junger Schriftsteller Gast ihres Hauses wird. Rivalisierend werben sie um seine Sympathie. Die Mutter will ihn der Tochter nicht "überlassen", teils weil sie ihre Macht über diese nicht verlieren möchte, teils, weil sie selbst (zu spät?) als Frau oder besser diesmal als "liebende" Frau ihre Bestätigung finden möchte.

» Die Beziehungshölle wird von Wolfgang Hübsch nicht mit tödlichem Ernst, sondern wunderbar leicht inszeniert. Souverän gelingen die Übergänge zwischen Komik und Tragik. Maresa Hörbiger gibt eine wunderbare Interpretation dieser Frau [...] Die Furche

» Am Ziel ist großartiges Theater, atemberaubend gespielt, klug und straff von Wolfgang Hübsch inszeniert. BST., Niederösterreichische Nachrichten

» In Hochform bohrt Maresa Hörbiger Bernhards Wortgewalt als quietschende Wortschrauben ins Geschehen [...]. Der Standard

Regie Wolfgang Hübsch Bühne und Kostüme Ilona Glöckel Dramaturgie Rupert Klima Ensemble Maresa Hörbiger, Katrin Stuflesser, Matthias Franz Lühn Aufführungsrechte Suhrkampverlag Produktion Landestheater Niederösterreich