Théâtre des Capucins

Die Probe

Der brave Simon Korach
Lukas Bärfuss

Dienstag 30. September 2008 um 20 Uhr
Donnerstag 2. Oktober 2008 um 20 Uhr
Freitag 3. Oktober 2008 um 20 Uhr
Samstag 4. Oktober 2008 um 20 Uhr
Montag 6. Oktober 2008 um 20 Uhr
Dienstag 14. Oktober 2008 um 20 Uhr
Dauer 1 Stunde 50 Minuten
Erwachsene 20 €, Studenten 8 €

Lukas Bärfuss, einer der vielversprechendsten jungen deutschen Autoren ist kein Unbekannter mehr für das Publikum des Kapuzinertheaters. Im Jahre 2005 entdeckte es so Die sexuellen Neurosen unserer Eltern in einer Inszenierung von Franz-Josef Heumannskämper, und im Jahre 2006 Der Bus in einer Inszenierung von Marion Poppenborg. Diesmal ist es Renate Ourth die nach der Inszenierung von Unter Eis von Falk Richter und Grouss Vakanz von Pol Greisch, wieder am Kapuzinertheater inszeniert.

DE
Vier Jahre lang hat sich Peter in die Rolle des liebenden Vaters hineingesteigert, bis ihm Franzeck das Gift des Zweifels an seiner Vaterschaft ins Ohr träufelte. Der urmenschlichen Angst, Opfer eines Verrats geworden zu sein, begegnet Peter, indem er einen Vaterschaftstest machen lässt. Das Ergebnis schlägt ein wie ein Gottesurteil: Er ist nicht der Vater seines Sohnes. Darum legitimiert er sich, fortan sein Kind zu hassen.
Einem kalten Verdacht nachgegeben, und dadurch ihrer beider Liebe verraten zu haben, ist für seine Frau Agnes unerträglich und nicht annehmbar. Ihr eigener Verrat an Peter spielt für sie keine Rolle. Vom "Übervater" Simon Korach, einem Kommunalpolitiker im Wahlkampf, ist Unterstützung nicht zu erwarten. Er hat Peter schon längst zugunsten seines Helfers Franzeck ausgebootet. Und hat Simon nicht wiederholt seine Frau Helle um seiner politischen Karriere willen verraten? Und welchen Verrats war Helle fähig? Der den Argwohn gesät hat, Franzeck, ist der politische Ziehsohn Simons... Der Ex-Alkoholiker vermeint die Fäden zu ziehen, doch seine eigenen, hält ein anderer in der Hand. Unvermittelt wird er die Täterrolle mit der Opferrolle tauschen.
Die Entscheidungen, jemanden oder etwas zu verraten, sind individuell motiviert und gar nicht austauschbar. Den Taten folgt jeweils eine nicht zu kalkulierende Wirkung. Sie lenkt den Blick auf bankrotte Beziehungen, die im Kern alle den Verrat oder die Furcht davor in sich bergen. Das auf die Zündung folgende Auseinanderdriften der Familie webt Bärfuss mit schillerndem Zwirn. Seine Personen handeln unvorhersehbar, uneinsichtig, unlogisch. Sie wähnen sich frei und unterwerfen sich keinen Konsens-Zwängen. "Jeder Mensch läuft sein eigenes Rennen" und weil sie sich nicht einmal gegenseitige Anerkennung zubilligen, - die Liebe hat sich schon verabschiedet - versuchen sie sich selbst Status zu verleihen, und das lässt sie nicht nur komisch erscheinen, sondern macht sie einsam und egoistisch.

» Ihre Behauptungen und Beteuerungen zerschellen, denn Lebenswahrheit und Lebenslügen sind nicht interpretierbar. Renate Ourth

Regie Renate Ourth Bühnenbild Jeanny Kratochwil Kostüme Ulli Kremer Ensemble Daniela Enzi, Tom Leick, Bina Blumencron, Daniel Plier, Peter Pruchniewitz Aufführungsrechte Hartmann & Stauffacher, Verlag für Bühne, Film, Funk und Fernsehen Produktion Théâtre des Capucins