Théâtre des Capucins

Verbrennungen

Wajdi Mouawad

Freitag 20. Februar 2009 um 20 Uhr
Erwachsene 20€, Studenten 8€

Ganz selten hat ein neues Stück in den vergangen Jahren das Theaterpublikum so aufgewühlt wie Verbrennungen des Frankokanadiers Wajdi Mouawad. Die (Familien)Geschichte gleicht in ihrer Intensität und ihrer Entwicklung den großen griechischen Tragödien, ist dabei aber hochgradig aktuell.

DE
Als sie mit sechzig Jahren in einer ungenannten westlichen Stadt stirbt, hinterlässt die Libanesin Nawal Marwan ein geheimnisumwittertes Testament. Ihr Freund, der Anwalt Hermile Lebel (Carsten Klemm), der mit der Testamentsvollstreckung beauftragt ist, übergibt ihren Kindern, den 22-jährigen Zwillingen Jeanne und Simon - sie Mathematik-Dozentin, er Amateurboxer - jeweils einen Brief, den diese ihrem Vater und ihrem Bruder überbringen sollen. Von der Existenz eines Bruders wussten beide bisher nichts, und ihren Vater hielten sie für tot.
Nach längerem Zögern begeben sich die beiden jungen Leute widerwillig in das vom Bürgerkrieg zerstörte Geburtsland ihrer Mutter, um ihren Vater und ihren Bruder zu suchen. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit klärt sich das von der Mutter sorgsam gehütete ungeheuerliche Geheimnis ihrer Herkunft, und die Geschwister begreifen, warum jene nie viel über sich erzählte und die letzten fünf Jahre ihres Lebens schweigend in ihrem Krankenbett lag - "weil ihre Sprache Hass und Liebe nicht zu einen vermochte". Wozu Worte dennoch fähig sind, zeigt die eindrucksvolle Sprachgewalt Mouawads.

» Regisseur Schmiedleitner folgt Mouawad auf dem unbequemen Irrweg durch verbannte Gefühle und verbannte Wirklichkeiten, findet kompromisslose, direkte, dokumentarisch klare Bilder, gegen die er beunruhigend leise Momente setzt. Die Eindeutigkeit der Sprache, die Spannung des Textes sind ihm provozierend genug; und er findet und betont behutsam auch die Elemente der griechischen Tragödie, in deren Nähe Mouawad sein Stück immer wieder rückt. Bernd Noack im Deutschlandfunk ("Kultur heute")

» In der Wende zum größtmöglichen Schock schafft die Aufführung den Sprung vom Nervenkitzel zu atemberaubender Betroffenheit. Mehr noch, die zunächst nur wie ein verstummter Zeuge der eigenen Existenz präsente Mutter und der den Wahnsinn auskostende Heckenschütze, in deren Händen die Zerschlagung der verknoteten Handlungsfäden liegt, ergreifen mit ihren völlig unterschiedlich ins Innenleben weisenden Monologen so stark, dass mitschwingende Gefühligkeit verschwindet. Dieter Stoll, Abendzeitung Nürnberg

Deutsch von Uli Menke Regie Georg Schmiedleitner Bühne Stefan Brandtmayer Stück in 39 Szenen Ensemble Carsten Klemm u.a. Produktion Euro-Studio Landgraf