#44 ZUR SCHÖNEN AUSSICHT

Ödön von Horváth
In Deutsch

[DE] Welche Sprengkraft in Ödön von Horváths Sozial-Analysen steckt, lässt sich an der wechselnden Aufführungs-Konjunktur seiner Stücke ablesen. Anfang der 1930er Jahre, zwischen Weltwirtschaftskrise und Nazi-Barbarei, schlugen sie wie eine Bombe ein, Ende der 1960er Jahre, mit den ersten Rissen im Wirtschaftswunderland, wurden sie wiederentdeckt. Und seit dem Jahr 2000, im Zeichen von Geldmarkt-Krisen und zusammenbrechenden Märkten, taucht Horváth wieder verstärkt auf den Bühnen auf. Und hat zur Lage der Nation und vor allem der „kleinen Leute“ mehr zu sagen als mancher zeitgenössische Autor.

Im Grand Théâtre war Horváth letzte Spielzeit mit Glaube Liebe Hoffnung vertreten, in diesem Jahr stehen gleich zwei seiner Werke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht Zur schönen Aussicht, 1926 geschrieben, aber erst 1969 uraufgeführt. Rückblickend erscheint dieser Text beängstigend prophetisch, wie eine Flaschenpost, die nach Jahrzehnten geöffnet wurde.

Alle Märkte stehen still. Im Hotel Zur schönen Aussicht fehlen Gäste, zumindest welche, die zahlen. Es gibt einen Kellner, aber keine Küche. Musik schürt Sehnsucht nach der Ferne. Der Schaumwein fließt in Strömen, die Rechnungen verfallen. Ein Vertreter macht schlechte Geschäfte. Ein derangierter Adeliger hat alles verspielt bis auf seine Pistole. Lediglich Ada, die alt gewordene Baronin, hat noch Geld und schlägt Zeit tot, die längst vergangen ist. Strasser, der Hotelier, sein Kellner und sein Fahrer stehen ihr auf Abruf für sexuelle Dienste zur Verfügung. Adas Streichelzoo verkehrt mit Geld die Verhältnisse, aber lassen sich Jahrtausende Patriarchat einfach ungeschehen machen? Christine, eine alleinerziehende Mutter, tritt auf und scheint Anspruch auf Strasser zu erheben. Die Figuren tagträumender Langeweile verwandeln sich von einem Moment auf den anderen in eine gewaltbereite Männerhorde. Es droht gefährlich zu werden für Christine.

Die Wiener Regisseurin und zweifache Nestroy-Preisträgerin Sabine Mitterecker machte mit ihrer Bearbeitung von Pol Sax’ Berlin-Roman U5 im Kasemattentheater 2012 auf sich aufmerksam. Mit dieser luxemburgisch-österreichischen Horváth-Koproduktion setzt sie die Zusammenarbeit mit Germain Wagner fort – und bringt dafür profilierte Fernseh- und Theaterschauspieler wie Heinz Weixelbraun aus Wien und Sophie Hutter aus Zürich mit.

[DIS]

Mit
Ada Freifrau von Stetten
Elfriede Schüsseleder
Christine Sophie Hutter
Max Germain Wagner
Karl Jon Kiriac
Müller Hannes Granzer
Strasser Heinz Weixelbraun
Emanuel Freiherr von Stetten Helmut Berger

Inszenierung Sabine Mitterecker
Bühne Anne Neuser
Kostüme Silke Fischer
Dramaturgie Uwe Mattheiss

Koproduktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, THEATERpunkt Sabine Mitterecker, Kasemattentheater

 

Mardi 16 DÉCEMBRE 2014 à 20h00 (tickets)
Mercredi 17 DÉCEMBRE 2014 à 20h00 (tickets)

DURÉE 2h00 pas d'entracte

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre /Studio

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

Weitere Vorstellungen in Wien am
2., 4., 5., 6. & 9. September 2014
im Schauspielhaus

[TICKETS]2014-12-16 20:00:00 17752+2014-12-17 20:00:00 17753