#50 DAS SCHEISSLEBEN MEINES VATERS, DAS SCHEISSLEBEN MEINER MUTTER UND MEINE EIGENE SCHEISSJUGEND

Oliver Kluck zur gleichnamigen Autobiographie von Andreas Altmann

[DE] Die Autobiographie Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend kam 2011 über den deutschsprachigen Büchermarkt wie ein Tsunami. Wochenlang dominierte das Buch des bis dahin meist als Reiseschriftsteller in Erscheinung getretenen Andreas Altmann (64) die Bestenlisten, entlockte den Feuilletons hymnische Besprechungen und wurde in zig Auflagen und Ausgaben mehr als eine halbe Million Mal verkauft.

Dabei kam das Thema – eine radikal persönliche Abrechnung mit dem Muff und Mief der 50er Jahre, mit prügelnden Altnazi-Vätern und verzagten Müttern, mit dem Terror der Kirche und der Provinz – ziemlich spät. Vergangenheitsbewältigung bezüglich der Nachkriegszeit ist eigentlich nicht mehr sonderlich en vogue. Und doch berührte Altmanns AUtobiographie offenbar einen wunden Punkt, traf viele Menschen seiner Generation ins Mark, lies aber auch Jüngere nicht kalt. So wenig wie die schillernde Persönlichkeit des Autors, der Schauspieler war, Dressman, Chauffeur, Weltenbummler und vor allem ein vielfach preisgekrönter Journalist.

Oliver Klucks Text nimmt Altmanns Autobiographie unter die Lupe. Die Betrachtung aber verdichtet sich zu einer Durchdringung der verletzten Person Altmann selbst, und Kluck stellt Fragen: Hat sich Altmann durch die spektakuläre Veröffentlichung seines Schicksals zum Märtyrer aufgeschwungen? Hat er versucht, sein durchlittenes Schicksal durch seine beeindruckende Weltenforscherbiographie zu überwinden? Und seinen verhassten Vater auf diese Weise gar zu überholen? Klucks Text stellte die – sicher diskutable – These auf, dass die Person Andreas Altmann ihr schreckliches Schicksal eben nicht überwindet, sondern in der Sonne der Medienöffentlichkeit der Verdrängung hinterher – und ihrem Absturz entgegenfliegt.

„(Vater) war der erste Mensch, bei dem ich verstand, dass Attraktivität und Klugsein nicht reichen, um nicht abzustürzen in ein gnadenlos banales Schicksal. Irgendeine Kraft muss dazukommen, etwas rücksichtslos Stolzes, was keine Kompromisse duldet und sich mit einer kühlen Handbewegung über die Träume der Väter hinwegsetzt.“

Konnte man in dieser scheinbar gelungenen „Handbewegung“ nicht auch Altmanns eigene Hybris sehen? Wäre es denkbar, dass sein eigener Sohn am Ende einer künftigen Theatralisierung seiner Biographie genau das Gleiche verlauten ließe? Es scheint als trüge sich das Vatererbe sündhaft gnadenlos weiter. Max Claessens theatrale Auseinandersetzung mit dem Buch von Altmann und dem Text von Oliver Kluck unternimmt den Versuch, nach Antworten zu suchen.

» [Max Claessen] findet ausdrucksstarke Bilder für die abstrakten Themen des Abends und schafft es, die bruchstückhaften Erinnerungen zu einer funktionierenden und extrem wirkungsvollen Einheit zu verschmelzen. Trierischer Volksfreund

» Man sollte sich Max Claessens Inszenierung nicht entgehen lassen. Er nimmt dem Text die Schwere, ohne ihm die Intensität zu nehmen, perfekt umgesetzt von einem spielfreudigen Ensemble. Tageblatt

» Der Regisseur lässt Luc Feit, Nora Koenig, Nickel Bösenberg, Angelika Zacek und Tilman Meyn abwechselnd in die verschiedenen Figuren schlüpfen, isoliert sie, um sie dann wieder zum antiken Chor anschwellen zu lassen – und das gesamte Ensemble zeigt sich der gestellten Aufgabe stichhaltig gewachsen. Luxemburger Wort

» Claessens Regiearbeit bringt den Text hintersinnig komisch zum Leuchten. [...] Da wird die Fantasie des Zuschauers spazieren geführt. Abendblatt zu Der Kontrabass

[DIS]

Mit
Nora Koenig,
Nickel Bösenberg,
Luc Feit,
Tilman Meyn,
Angelika Zacek

Regie Max Claessen
Bühne & Kostüme Mirjam Benkner
Musikalische Leitung Michael Barfuß
Musik Michael Barfuß, Johannes Still
Regieassistenz Thierry Mousset
Licht Max Kohl
Kostüme & Requisite Anatoli Papadopoulou
Maske Joël Seiller

Autor Andreas Altmann
Bühnenfassung Oliver Kluck

Produktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg
Koproduktion Theater an der Rott

Erstaufführung am 13. Januar 2015 im Grand Théâtre

Oliver Kluck, geboren 1980 auf der Insel Rügen, ist freier Autor. Sein Werk wird durch den Verlag Felix Bloch Erben vertreten. www.oliverkluck.de 

Aufführungsrechte beim Verlag Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG , Berlin „Andreas Altmann, Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ © Piper Verlag GmbH, München 2011.

Mardi 13 JANVIER 2015 à 20h00 (tickets)
Vendredi 16 JANVIER 2015 à 20h00 (tickets)
Samedi 17 JANVIER 2015 à 20h00 (tickets)

DURÉE environ 1h30 (pas d'entracte)

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Studio

Vorstellungen am Theater an der Rott / Eggenfelden:

30. JANUAR 2015 um 19:30 Uhr
31. JANUAR 2015 um 19:30 Uhr
01. FEBRUAR 2015 um 18:30 Uhr

[TICKETS]2015-01-13 20:00:00 17768+2015-01-16 20:00:00 17769+2015-01-17 20:00:00 17770