#52 DER KIRSCHGARTEN

Von Anton Tschechow
Komödie in vier Akten
Deutsche Übersetzung von Thorsten Lensing & Jan Hein

[DE] Als das Regieduo Thorsten Lensing und Jan Hein 2012 mit Tschechows Onkel Wanja im Grand Théâtre gastierte, dachte so mancher im begeisterten Publikum, diese Leistung sei schwerlich zu überbieten. Nun steht mit dem Kirschgarten die Nachfolge-Produktion an, und der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen: Die Besetzung ist noch prominenter, noch spannender geworden.  Neben Devid Striesow, der den reichen Kaufmann Lopachin spielt, tritt mit Joachim Król als Kontorist Epichodow ein weiterer aus der schmalen Garde der deutschen Schauspiel-Superstars. Und auch um Darsteller wie Lars Rudolph, Ursina Lardi und Peter Kurth streiten sich andere Häuser.

Der Kirschgarten – eine genau komponierte Kette  aus prallen, disparaten Augenblicken, unerhört, komisch, überraschend wie das Leben selbst. Tschechows letztes, dem Sterben abgerungenes Stück gibt einen nahezu körperlichen Eindruck von der Zeit, die verstreicht. „Erster Akt: Der Kirschgarten muss vielleicht verkauft werden. Zweiter Akt: Der Kirschgarten wird verkauft werden. Dritter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft. Vierter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft worden. Der Rest: das Leben.“ (Jean-Louis Barrault)

Nach fünfjährigem Aufenthalt in Frankreich kehrt Ranjewskaja, verwitwete Besitzerin eines Landgutes, auf ihr Anwesen zurück. Sie hatte es Hals über Kopf mit ihrem neuen Geliebten verlassen, nachdem ihr Mann gestorben und ihr siebenjähriger Sohn im Fluss ertrunken war. Da ihre Familienmitglieder und sie weit über ihre Verhältnisse gelebt haben, ist das Gut hoch verschuldet und zu einem bereits festgelegten Termin zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Der reiche Kaufmann Lopachin, der hier als Sohn eines ehemaligen Leibeigenen aufgewachsen ist, weist ihr den ökonomisch einzig sinnvollen Ausweg. Sie soll den schönen aber nutzlosen Kirschgarten abholzen und das Gelände als Bauland für Sommerhäuser parzellieren und verpachten. Sie lehnt den Vorschlag ab. Das Anwesen kommt unter den Hammer. Während im Gutshaus ein letztes Fest stattfindet, erwirbt Lopachin selbst das Gut und veranlasst, was er Ranjewskaja geraten hatte. Noch während die alte Besitzerfamilie abreist, werden im riesigen Kirschgarten die ersten Bäume gefällt.

Tschechow wirft einen nüchternen, vorbehaltlosen Blick auf das Leben. Er erläutert nicht, er bewertet nicht, er stellt fest und lässt uns so die Zeit, den Tod, die Liebe und das Geld anschauen.

„Für Chemiker“ sagt Tschechow, „gibt es auf der Erde nichts Unreines. Der Schriftsteller muss genauso objektiv sein wie ein Chemiker, er muss sich freimachen von der Subjektivität seines Alltags und wissen, dass die Misthaufen in der Landschaft eine sehr beachtliche Rolle spielen, und böse Eigenschaften dem Leben ebenso eigen sind wie gute.“

» Den entsprechenden, modernen, lebensvoll-hungrigen Menschentypus, der unbeirrt pragmatisch, primär zielorientiert und rücksichtlos seinen Weg verfolgt, repräsentiert Devid Striesow mit einmaliger, wohl nicht zu überbietender Bravour. Dieser Ausnahmeschauspieler vereint in sich ein hochexplosives Gemisch unterschiedlichster menschlicher Seins- und Seelenzustände, die er mit unnachahmlicher Mimik, Gestik, enormer darstellerischer Brandbreite und überbordender Energie völlig übergangslos, verblüffend wandelbar und hoch konzentriert vermittelt. Luxemburger Wort

» Es geht hier um die Verfasstheit des Menschen, dessen Gott tot ist. Diese Menschen suchen etwas, sie nennen es Geld oder Liebe, Paris oder Kirschgarten. Am Ende aber suchen sie nach etwas, das sie vollständig macht, und sie zerbrechen, weil sie einfach nicht wissen, was das sein könnte. Devid Striesow stellt diesen Menschen mit einer solchen Wucht auf die Bühne. [...] Sein Lopachin hat bekommen, was er immer glaubte zu wollen, und er leidet unendlich. Die Zeit

[DIS]

Mit
Ljubow Andrejewna Ranjewskaja
(Ljuba), Gutsbesitzerin
Ursina Lardi
Anja (Anitschka), ihre Tochter Lisa Hrdina
Warja (Warwara Michailowna),
Pflegetochter
Anna Grisebach
Leonid Andrejewitsch Gajew (Lonja),
Bruder der Ranjewskaja
Peter Kurth
Ermolaj Alexejewitsch Lopachin,
Kaufmann
Devid Striesow
Pjotr Sergejewitsch Trofimow (Petja),
Student
Lars Rudolph
Boris Borisowitsch Semjonow-Pischtschik,
Gutsbesitzer
Rik van Uffelen
Charlotta Iwanowna Horst Mendroch
Semjon Pantelejewitsch Epichodow,
Kontorist
Joachim Król
Dunjascha, Dienstmädchen Maria Hofstätter
Firs, ein alter Diener Valentin Jeker
Jascha, ein junger Diener Niels Bormann
Ein Landstreicher Willi Kellers
Der Stationsvorsteher Benjamin Eggers

Regie Thorsten Lensing, Jan Hein
Kostüme Anette Guther, Christel Rehm
Musik Willi Kellers

Produktionsleitung Eva-Karen Tittmann
Technische Leitung Eugen Böhmer
Regieassistenz Benjamin Eggers, Pia Bruer
Kostümassistenz Miriam Zacheiss

Koproduktion Kampnagel Hamburg, Sophiensaele Berlin, Theater im Pumpenhaus Münster, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, TAK Theater Liechtenstein, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster.

Mercredi 28 JANVIER 2015 à 19h00 (tickets)
Jeudi 29 JANVIER 2015 à 19h00 (tickets)

DURÉE
3h00 & entracte

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Arrière-scène

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

 LESUNG mit Devid Striesow
am Montag, dem 26. Januar 2015
um 20 Uhr im Kasemattentheater

[TICKETS]2015-01-28 19:00:00 17775+2015-01-29 19:00:00 17776