#53 WAISEN

Dennis Kelly
Deutsch von John Birke

[DE] Dannys und Helens romantisches Abendessen wird jäh unterbrochen, als Helens Bruder Liam blutüberstromt ins Zimmer platzt. Nicht sein Blut, sagt er. Auf der Straße sei ein Junge niedergestochen worden, er habe ihm bloß geholfen. Danny will die Polizei rufen. Helen hindert ihn daran. Schließlich ist Liam vorbestraft, da ist es besser, keine Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Danny lässt sich überreden, seinen Schwager zu schützen und ahnt nicht, in welch fatales Geflecht aus Halbwahrheiten, Lügen und Liebe er sich damit verstrickt.

Liam beginnt, sich zu widersprechen. Mehr und mehr entpuppt sich der angebliche Helfer selbst als Täter. Dennoch bleibt er Helens einziger Bruder, für den sie sich verantwortlich fühlt, seit ihre Eltern starben – jedenfalls weit mehr als für einen Wildfremden draußen, wahrscheinlich Araber, „irgend so einen ... Typ, den wir gar nicht kennen“. Und auch von Danny verlangt sie, für seine Familie einzustehen, über alle Prinzipien von Recht und Gesetz hinaus.

Der englische Autor Dennis Kelly gilt als Spezialist für atmosphärisch dichtes, spannungsgeladenes Schauspielertheater. Seine Stücke und Bearbeitungen sind schmerzhafte, präzise beobachtete Expeditionen in die bürgerliche Existenz der Gegenwart. Waisen dreht sich um die Frage, wie viel von moralischen oder menschlichen Ansprüchen bleibt, wenn sie in Konflikt geraten mit persönlichen oder familiären Interessen. Der liberale Gutmensch Danny müsste seinen Schwager Liam wegen dessen ausländerfeindlicher Gewalttat anzeigen, aber das würde ihn in unausweichlichen Konflikt mit seiner Frau, Liams Schwester Helen, bringen. Und fallen erstmal die Prinzipien, dann verschwindet auch schnell die zivilisatorische Tünche.

Wilfried Minks, Weggefährte von Peter Zadek und längst selbst eine deutsche Theaterlegende, ist auch mit 84 Jahren immer noch für packende Inszenierungen gut. Zumal, wenn er – wie hier – mit Judith Rosmair, Uwe Bohm und Johann von Bülow drei absolute Darsteller-Größen zur Verfügung hat, die zwischen Theater und Fernsehen hin und her pendeln – was ihnen, neben 15 Tatort- Hauptrollen, diverse Theaterpreise eingebracht hat.

» Schauspielerisch außergewöhnlich getragen werden diese „Waisen des Lebens“ durch die voll motivierten und exakt charakterisierenden Interpreten des St. Pauli Theater Hamburg. So Judith Rosmair als zierlich elegante Helen, stets darauf bedacht, die Zügel in der Hand zu halten und mit bohrenden Nachfragen ihre Männer zur Besinnung und Handlung zu zwingen. Währendem Uwe Bohm, wie von einer Biene gestochen, den gepeinigten Liam treffsicher abgibt, verkörpert Johann von Bülow mit Nonchalance und marginaler Einmischung einen skeptischen verhaltenden Danny. Tageblatt

» Drei starke Schauspieler streiten am St. Pauli Theater. Wilfried Minks inszeniert sehenswerte Waisen. Die Welt

» Rosmair, Bohm und von Bülow glänzen darin zu zeigen, wie die Gewaltbereitschaft der Figuren aus ihren nicht verheilten psychischen Wunden erwächst. Hamburger Morgenpost

» Judith Rosmair spielt Helen als Manipulatorin, die keine Sekunde zögert, Sex als Waffe einzusetzen, Johann von Bülow Danny als Duckmäuser, dem die Gelegenheit, seinen Hang zur Gewalttätigkeit auszuleben, mehr oder weniger in den Schoß fällt. Und nicht zuletzt gibt Uwe Bohm Helens Bruder Liam, der blutüberströmt in den romantischen Pärchenabend platzt, aggressiv, intelligent, mit blitzendem Wahnsinn in den Augen. Nachtkritik.de

» Ein Stück, das den Zuschauer mit seinen überraschenden Wendungen fast unerträglich auf die Folter spannt. KulturPort.de

[FR] » La version […] de Wilfried Minks insiste sur la force émotionnelle du texte dramatique dont il fait surgir, presque à chaque réplique, l’extraordinaire densité qu’il rend sur le mode hyperbolique du cri et de la fureur qui traduisent la puissance des mots. Luxemburger Wort



[DIS]

Mit
Uwe Bohm,
Judith Rosmair,
Johann von Bülow,
Mattes Dyrssen

Regie Wilfried Minks
Kostüme Nini von Selzam

Licht Dorle Reisse
Mitarbeit Regie Felix Bachmann
Assistenz Bühne Eylien König, Anna-Myga Kasten
Maske Käte-M. Brammann, Anke Piorreck
Schneiderei Marlies Gerken
Bühnenmeister Tina Hinssen
Bühnentechnik/Kulissenbau Heino Bachur, Frank Eckardt, Jonas Gerberding, Sebastian Heer, Tanja Kogelnik, Annette Krüger, Dierk Kuschel, Gerda Lambertz, Britta Schmidtke, Tatiana Souchoroukof, Matthias Tummescheit, Boris Werblow
Beleuchtung Carsten Buschkowski, Maike Ipsen, Thyss Theis
Ton Oliver Giese, Stefan Hoffmann
Inspizienz Felix Bachmann
Souffleuse Bärbel Fooken

Produktion St. Pauli Theater Hamburg
Koproduktion Ruhrfestspiele Recklinghausen

Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg.
Die Produktion wurde ermöglicht durch den Pegasus Preis 2013 von ExxonMobil.

 

 Mercredi 4 FÉVRIER 2015 à 20h00 (tickets)
Jeudi 5 FÉVRIER 2015 à 20h00 (tickets)

DURÉE 1h45 (pas d’entracte)

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Studio

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

[TICKETS]2015-02-04 20:00:00 17779+2015-02-05 20:00:00 17780