#59 GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD

Von Ödön von Horváth
In Deutsch

[DE] „Ich hab mal Gott gefragt, was er mit mir vorhat. – Er hat es mir aber nicht gesagt, sonst war ich nämlich nicht mehr da. – Er hat mir überhaupt nichts gesagt. – Er hat mich überraschen wollen. – Pfui!“

Eine stille Straße: eine Fleischhauerei, ein Tabakladen, eine Puppenklinik, eine Handvoll Menschen, die ihre gewohnten Kreise ziehen. Marianne, die Tochter des „Zauberkönigs“, soll den Fleischhauer Oskar heiraten, da dieser ein wohlhabender, anständiger Mann ist. Doch Marianne zieht es zu Alfred, der sich bisher durch Frauen und Pferdewetten über Wasser hielt. Alfred beendet sein Verhältnis zu Valerie, die ihn bisher finanzierte, und Marianne verlässt ihren Vater für ihre große Liebe. Ein Jahr später bekommen beide ein Kind und müssen erkennen, dass sich ihr Traum von Liebe und Zusammenhalt nicht erfüllt: Der kleine Leopold wird zu Verwandten aufs Land gegeben, Marianne versucht sich als Tänzerin, und das Unglück nimmt seinen Lauf...

Mit dem Volksstück Geschichten aus dem Wiener Wald, 1931 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt, hat Horváth höchste Anerkennung sowie heftigste Ablehnung erfahren, liefert er doch zugleich die Karikatur des Volksstücks: Düster und böse sind seine Menschenzeichnungen, wenngleich süßliche Lieder die Szene bestimmen, schabig der Kern, der hervortritt, wenn den Figuren ihre Masken heruntergerissen werden. Allesamt sind sie gezeichnet durch den Ersten Weltkrieg, die anhaltende wirtschaftliche Krise und den Nationalsozialismus, der seinen Schatten bereits vorauswirft. Tod und Verlust, Lüge und Enttäuschung bestimmen das Leben der Horváthschen Menschen, es sind Verlorene in einer ordnungslosen Zeit – und trotz ihrer Bestialität doch seltsam liebenswert und komisch in ihren Verrenkungen und Verirrungen, in ihrer Naivität und Liebessehnsucht.

Michael Thalheimer war für seine Regie in Geschichten aus dem Wiener Wald nominiert für den renommierten FAUST Theaterpreis 2013 in der Kategorie Beste Regie. Am Grand Théâtre inszenierte er zuletzt die Verdi-Oper La forza del destino in gewohnter ästhetischer Reduzierung auf das Wesentliche. In den Hauptrollen Marianne und Alfred sind mit Katrin Wichmann und Andreas Dohler zwei der profiliertesten Jung- Stars der deutschen Theaterszene zu sehen.

Die eindringliche Thematik und Interpretationskunst des Ensembles des Deutschen Theater Berlin verdeutlichen aufs schärfste Horváths satirische Beobachtungskunst und sein soziales Engagement. Tageblatt

» Der Verzicht auf ein aufwendiges Bühnenbild, der spärliche, aber sehr passende Einsatz von Lichtquellen, unterstreichen die Intensität der Monologe und schaffen traurige, aber auch unvergessliche Momentaufnahmen aus dem Leben hoffnungsloser Menschen. Luxemburger Wort

» Mit Wiener Betulichkeit hält sich der Berliner Regisseur [Michael Thalheimer] gar nicht erst auf. Ihm reichen neben exzellenten Schauspielern ein Tisch und ein paar Stühle, um auf den Punkt zu kommen. […] Moritz Groves rechtslastiger Jurastudent Erich lässt einen schaudern. Umwerfend: Simone von Zglinicki als rabiate, geld- und lebensgierige Großmutter. Trierischer Volksfreund

» Thalheimer macht an diesem Abend: Große Kunst. Süddeutsche Zeitung

» Michael Thalheimer gelingt es, die Geschichten aus dem Wiener Wald als zeitloses Menschenstück zu inszenieren. Er zeigt den „ewigen Kampf zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein“, den Horváth als dramatisches Grundmotiv seiner Stücke bezeichnete, mit großer sinnlicher Kraft. Deutschlandfunk, Kultur heute

» Stimmt schon, der Regisseur Michael Thalheimer macht es dem Zuschauer nicht leicht. Aber in seiner Arbeit ist nichts reiner Effekt oder Selbstzweck. Am Schluss eines solchen Abends weiß man wieder, wozu das Theater gut ist. Stuttgarter Zeitung

[DIS]

Mit
Marianne
Katrin Wichmann
Alfred Andreas Döhler
Valerie Almut Zilcher
Zauberkönig Michael Gerber
Oskar Peter Moltzen
Die Mutter Katrin Klein
Die Großmutter Simone von Zglinicki
Erich Moritz Grove
Rittmeister Harald Baumgartner
Havlitschek Henning Vogt
Der Mister Jürgen Huth
Ida Georgia Lautner

Regie Michael Thalheimer
Kostüme Katrin Lea Tag
Musik Bert Wrede
Dramaturgie Sonja Anders

Produktion Deutsches Theater Berlin

 

Mardi 10 MARS 2015 à 20h00 (tickets)
Mercredi 11 MARS 2015 à 20h00 (tickets)

DURÉE 2h00 (pas d’entracte)

Adultes 25 €, 20 €, 15 € / Jeunes 8 €

Lieu: Grand Théâtre / Grande Salle réduite
 
Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

Im Rahmen von

at in lu

 

[TICKETS]2015-03-10 20:00:00 17797+2015-03-11 20:00:00 17798