#64 AUF DER GROSSEN STRASSE

Anton Tschechow
In Deutsch

Das künstlerische Ensemble lädt Sie zu einem Nachgespräch nach der Vorstellung vom 21 April ein.

[DE] „Du fragst, was das Leben ist? Das ist das Gleiche, als würde man fragen, was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, und das ist alles.“ Anton Tschechow

„Die Handlung spielt nachts in einer Schenke an der Großen Straße. Unter allen möglichen Landstreichern und Pilgern, die in der Schenke eingekehrt sind, um vor dem Unwetter Schutz zu suchen und zu übernachten, befindet sich ein heruntergekommener Adeliger, der den Branntweinverkäufer anfleht, ihm auf Kredit zu trinken zu geben. Aus dem Gespräch geht hervor, dass sein ganzes Vermögen verloren ist. Er ist dem Suff verfallen, da ihn seine Frau am Tage der Hochzeit verlassen hat. Zufällig gerät eine gnädige Frau in die Schenke, in der der unglückselige Trunkenbold seine treubrüchige Gefährtin erkennt. Einer der Schenkenbesucher, der Mitleid mit dem Adeligen verspürt, erhebt gegen sie die Axt, man fällt ihm jedoch in den Arm, und die dramatische Skizze endet mit einem missglückten Mordversuch. Dieses finstere und schmutzige Stück kann m. E. nicht zur Aufführung zugelassen werden.“ – Zensor f. dramat. Werke (aus einem Rapport der russischen Zensurbehörde von 1885)

Tschechows frühe dramatische Skizze enthält bereits den ganzen, grandiosen Tschechow-Kosmos: Menschen in geheimnisvoll aufgeladenen Zuständen, denen sie scheinbar nicht entrinnen können, Seelenstücke von stets abgrundtiefer Komik, wie sie in der Weltliteratur einzigartig sind. – Warum leben wir nicht, wie wir leben konnten? Warum sind wir so mut- und mitleidlose Einzelwesen? – Das sind die Fragen die Tschechow, der Menschenforscher, Seelenschauer und Weltschmerzkomiker, immer wieder stellt.

Auf der großen Straße ist Liebesmelodram, Horror-Thriller, Trinkergroteske und beckettsches Endspiel zugleich. – Die Figuren sind am Ende der Welt im Nirgendwo gefangen, reden, sehnen, philosophieren, moralisieren, saufen, verzweifeln, glauben, hoffen, dabei stets die Falschen oder das Falsche liebend, auf ein glückliches Ende. In all dieser zum Schießen komischen Erbärmlichkeit fühlt man sich zuhause und erkannt, weil einem diese Menschen in ihrer Rat- und Ausweglosigkeit so nahe gehen. – Eine paradoxe, komische Welt im herzzerreißenden Delirium.

Der Regisseur, Choreograph und Medienkünstler Jo Fabian arbeitet seit einigen Jahren kontinuierlich am Theater an der Ruhr. Mit seinen bildgewaltigen, musikalisch und choreographisch aufgeladenen Inszenierungen war er zu zahlreichen nationalen und internationalen Festivals eingeladen (u.a. Theatertreffen Berlin).

» Ein gelungenes originelles Theaterexperiment mit griffigem, höchst warnendem Aktualitätsbezug und gemäß Kontext sich redearm und statisch verhaltenden Schauspielern, (…). Tageblatt

„Anton Tschechow ist überhaupt der Größte!“ – „Bei Tschechow weinen die Leute und lachen im nächsten Moment.“ Woody Allen

» [Dem Regisseur Jo] Fabian gelingt in der anderthalbstündigen Aufführung ein exzellentes Timing, unterstützt von einer konsequent minimalistischen Musik, die im Grunde nur aus einem einzigen, in perfektem Rhythmus eingesetzten Ton besteht, einem "Kling". nachtkritik.de

[DIS] 

Mit
Ensemble des Theater an der Ruhr

Inszenierung & Bühne Jo Fabian

Produktion Theater an der Ruhr (Mülheim)

 

Mardi 21 AVRIL 2015 à 20h00 (tickets)
Mercredi 22 AVRIL 2015 à 20h00 (tickets)

DURÉE 1h30 (pas d'entracte)

Adultes 20€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Studio

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

[TICKETS]2015-04-21 20:00:00 17812+2015-04-22 20:00:00 17813