#42 UNENDLICHER SPASS

DAVID FOSTER WALLACE

[DE] „Witze sind die Flaschenpost, mit der die Verzweifelten ihre gellendsten Hilfeschreie aussenden.“ (David Foster Wallace)

Mit der Inszenierung des 1.500-Seiten starken Werks Unendlicher Spaß von David Foster Wallace stellt sich Regisseur Thorsten Lensing erfolgreich einer Mammut-Aufgabe. Die Dramaturgie übernimmt der junge luxemburgische Regisseur Thierry Mousset, der auch an der Textfassung mitgearbeitet hat. Einen Teil des hochkarätigen Theaterteams, das sich um Lensing scharrt, kennt das Luxemburger Publikum bereits aus den Inszenierungen Onkel Wanja (2012), Der Kirschgarten (2015) und Karamasow (2016). Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Ursina Lardi sind wieder dabei. Ebenso der Luxemburger Schauspieler André Jung, der in Karamasow „mit so viel Würde, dass es einem fast das Herz bricht“ (Süddeutsche Zeitung) in die ungewöhnliche Rolle eines Hundes schlüpfte.

1996 erschien Unendlicher Spaß (Infinite Jest) in den USA. Es ist der Versuch, auf 1.500 Seiten die gegenwärtige
Welt zu erzählen, ohne sie einer einheitlichen Deutung zu unterwerfen. „Ich will darüber schreiben“, hat Wallace sein Vorhaben charakterisiert, „wie es sich anfühlt, heute zu leben, statt davon abzulenken“. Er schreibt deshalb über Geburten und Todeskämpfe, über Liebes- und Trennungsgeschichten, übertriebenen Speichelfluss, bildschöne Krankenschwestern und Vögel, die mitten im Flug einen Herzinfarkt erleiden.

Wallace widmet sich seinen so tragischen wie komischen Figuren dabei mit großer Ernsthaftigkeit und einer ungeheuren Leichtigkeit zugleich. Alle stehen sie schutzlos vor ihrem Leben. Einige leiden unter Depressionen, einige unter Alkohol-, Sex- oder Schmerzmittelsucht, viele sind einem unerbittlichen Leistungszwang ausgesetzt und „werden gepanikt“ von Sorgen. Doch sie geben nie auf, kämpfen gegen das dauernde Gefühl, „in einer dunklen Innenwelt zu stecken, beschämt, verirrt und eingesperrt“.

» Ein kluger, tiefer, aber auch sehr lustiger Theaterabend in den Berliner Sophiensælen beginnt und endet mit markerschütterndem Gesang, der ins Nichts ruft. [...] So wie der Schriftsteller, der sich 2008 mit 46 Jahren das Leben nahm, die Virtuosität des Formulierens in garstige Höhen treibt, so spielen sie hier auch. Devid Striesow und Sebastian Blomberg mit irrsinnig komischer und böser Verstellspielplumpheit, André Jung mit locker aus dem Herzen gerissener Güte, Ursina Lardi mit ihrer nicht leicht aushaltbaren, athletischen Verwandlungsstrenge und Jasna Fritzi Bauer sowie Heiko Pinkowski mit kühner Purheit. [...] Das ist hohe Theaterkunst, [...]. Frankfurter Rundschau, Ulrich Seidler

» Diesen Kampf mit den Abhängigkeiten und Beschädigungen, dieses Ringen um Sinn und Erlösung exerziert Thorsten Lensing in vier fast rundweg fesselnden Stunden. Mit einem phantastischen Ensemble, dessen teils grell divergente Spielstile sich zu einem Ganzen fügen. Und nicht zuletzt mit Gespür für die existenziell verzweifelte Komik der Vorlage. Ein dunkler Spaß. Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann

» André Jungs Mario ist so liebenswert und von solcher Zartheit, dass man seufzt vor Freude (Die Figur ist ein naher Verwandter des wunderbaren Hundes aus Karamasow, der für alle Zeit im Theaterhimmel weiterlebt). nachtkritik.de, Gabi Hift

» Man muss sich den Regisseur Thorsten Lensing als einen großen Menschenfreund vorstellen. Anders ist dieser außergewöhnliche Theaterabend kaum zu erklären. Wobei Menschenfreund eigentlich zu kurz greift: Es ist eher eine Universalliebe, die auch Tiere mit einschließt. Die möchte man auch den Schauspielern unterstellen. Denn wie sie dauerkiffende Tennis-Asse, ehemalige Gangster, Vögel, Katzen, Katzenquäler, koksende Footballstars, hilose Väter und körperlich behinderte Filmemacher spielen, ist von seltener Tiefe. Und oft zum Kaputtlachen. [...] Plötzlich weiß man wieder, warum Menschen auf Bühnen stehen, und andere Menschen sich das angucken: weil es nichts Tröstlicheres gibt, als sich in aller Unzulänglichkeit gespiegelt zu nden. Süddeutsche Zeitung, Mounia Meiborg

[DIS]

Mit Jasna Fritzi Bauer, Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi, Heiko Pinkowski & Devid Striesow

Regie Thorsten Lensing
Mitarbeit Regie Benjamin Eggers-Domsky

Bühne Gordian Blumenthal & Ramun Capaul
Kostüme Anette Guther

Textfassung Thorsten Lensing
Mitarbeit Textfassung Thierry Mousset, Dirk Pilz
Dramaturgie Thierry Mousset
Produktionsleitung Eva-Karen Tittmann
Leitung Herstellung Bühne Martina Schulle
Technische Leitung Dirk Lutz
Regieassistenz Lucie Grünbeck
Kostümassistenz Marie Fischer
Maske Hannah Kaiser
Video Marc Stephan

Produktion Thorsten Lensing
Koproduktion Schauspiel Stuttgart; Schauspielhaus Zürich; Ruhrfestspiele Recklinghausen; Sophiensæle Berlin; Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg; Theater im Pumpenhaus Münster; HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste; Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt/Main & Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster

Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg

Jeudi 15 NOVEMBRE 2018 à 19h00 (tickets)
Vendredi 16 NOVEMBRE 2018 à 19h00 (tickets)
Samedi 17 NOVEMBRE 2018 à 19h00 (tickets)

DURÉE environ 3h50 & entracte

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck 1/2 Stunde vor jeder Vorstellung (in Deutsch).

Adultes 20 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu

Lieu: Grand Théâtre / Arrière-scène

[TICKETS]2018-11-15 19:00:00 25401+2018-11-16 19:00:00 25402+2018-11-17 19:00:00 25403