Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

#36 SCHWARZE SONNE SCHEINE

Albert Ostermaier / Monolog

[DE] Unauflöslich und ungeheuerlich erscheint das Dilemma, das dem zweiten autobiografischen Roman von Albert Ostermaier seine aufs äußerste gehende existentielle, moralische und gesellschaftliche Dimension verleiht. Ein junger Mann, aufgewachsen in einem katholischen Internat in Bayern, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, Schriftsteller, Dichter zu werden, muss sich entscheiden zwischen sicherem Tod und ungewissen Überleben, für das er sich allerdings zwei völlig unbekannten Menschen überlassen muss. Eine ausgewiesene prominente Ärztin stellt ihm die Diagnose, er leide an einer nur von ihr diagnostizierbaren tödlichen Krankheit, die eine sofortige Therapie im amerikanischen Texas erfordere. Der väterliche Mentor, ein katholischer Priester, rät, der Ärztin zu vertrauen und in die USA zu reisen.

Wie soll sich der angehende Schriftsteller entscheiden? Andere Diagnosen einholen, obwohl sie laut Ärztin die Krankheit nicht aufspüren können? Dem Rat der Eltern folgen und sich sofort dem Krankenhaus ausliefern? Stattdessen rekapituliert er sein Leben und die Ereignisse, die zu dieser dramatischen Situation geführt haben. Diese Recherche der vergangenen und verlorenen Jahre eines jungen Mannes weitet sich durch die detailgetreue, nüchterne Schilderung der Internatsjahre zu einem umfassenden, erschütternden Panorama moralisch-politischer Strukturen im Süden Deutschlands, in dem der einzelne wenig, die Kirche alles zählt. Und nur wer sich gegen die miteinander verzahnten Hierarchien stellt, ist, wie Albert Ostermaier, in der Lage, souverän vom Leiden, dem eigenen wie dem anderer, einfühlsam und zugleich distanziert, spannend und mitreißend, anklagend und erklärend zu erzählen.

2011 erhielt Albert Ostermaier den "WELT-Literaturpreis" für sein literarisches Gesamtwerk.

"Schwarze Sonne scheine ist eine Häutung, eine Vivisektion, aber zugleich eine teuflische Komödie über den göttlichen Schein, es ist das Portrait eines werdenden Dichters im Angesicht eines angekündigten Todes, die Geschichte eines himmelsschreienden Missbrauchs von mehr als Vertrauen. Warum nun den Roman dramatisieren? Weil alles, was ich schreibe, danach verlangt gesprochen zu werden, weil es für das Sprechen geschrieben ist, weil so die Sprache ihre Musik, ihren Rhythmus, ihre Schärfe entfachen kann. Weil es eine Geschichte ist, mit der man nicht allein bleiben soll, eine Geschichte, die erzählt werden muss in Gemeinschaft, eine Geschichte, der Echo in vielen Leben wartet. Weil Theater Katharsis heißt und schafft. Und vor allem weil Luc Feit ein einzigartiger Schauspieler ist, der das alles erlebbar macht, der Widersprüche spürbar werden lässt, der die Sprache wie ein Skalpell führt, aber auch wie ein Instrument zum Klingen bringt, dessen Klang unser Innerstes öffnet und schwingen lässt. Luc Feit ist ein Schauspieler, der uns durch sein Spiel, seine Durchlässigkeit, durch die Räume, die er in der Sprache lässt, uns ermutigt, selbst zu denken und eine Haltung zum Erzählten zu gewinnen und dann zu behaupten. Mehr kann man sich als Autor nicht wünschen." (Albert Ostermaier)

» Psychologisches Fronttheater als erstaunliches Frontaltheater:. […] In der Inszenierung des Luxemburger Stadttheaters wird die kraftstrotzende und dennoch differenzierte und bilderreiche Sprache des Autors zu einem faszinierenden Psychospiel destilliert. […] [Luc Feit] häutet die Geschichte mit all ihren Anekdoten, Rückblenden, Resümees virtuos, indem er ihr Wort für Wort Ausdruck verleiht, unterstützt von minimalen Gesten und sparsamen Bewegungen. Deutschlandfunk

» Baden im Strom der Wortgewalt
Da hat das Luxemburger Kapuzinertheater einen echten Coup gelandet: Die Uraufführung von Albert Ostermaiers Schwarze Sonne scheine ist ein fulminantes Ein-Personen-Stück, das mit sprachlicher Wucht elementare Fragen erörtert. Trierischer Volksfreund

» In Schwarze Sonne scheine ist alles lebendig, kraftvoll, komplex und mitreißend. [...] Es mögen sich die Jüngern ein Beispiel nehmen am expressionistischen Mut Albert Ostermaiers, dann haben wir Leser und Kritiker wieder eine Literatur, die man nicht einfach nur abnicken muss. Die Zeit

Mit
Luc Feit

Inszenierung Johannes Zametzer
Assistenz Francis Schmit
Für die Bühne eingerichtet von Albert Ostermaier

Produktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

 Mercredi 28 NOVEMBRE 2012 à 20h00 (tickets)
Lundi 3 DÉCEMBRE 2012 à 20h00 (tickets)
Mardi 4 DÉCEMDRE 2012 à 20h00 (tickets)

DURÉE environ 1h20

Adultes 20 € / Jeunes 8 € 

Lieu: Théâtre des Capucins

[TICKETS]2012-11-28 20:00:00 13440+2012-12-03 20:00:00 13441+2012-12-04 20:00:00 13442