Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

#39 GLAUBE LIEBE HOFFNUNG

Ödön von Horváth unter Mitarbeit von Lukas Kristil
In Deutsch

[DE] Seit 2007, als Luxemburg Kulturhauptstadt Europas wurde, war Christoph Marthaler, gemeinsam mit seiner Bühnenbildnerin Anna Viebrock einer der wichtigsten und produktivsten europäischen Theatermacher, nicht mehr in Luxemburg vertreten. Diese Lücke wird nun geschlossen, wenn das unzertrennliche Duo mit seiner Interpretation von Horváths Glaube Liebe Hoffnung im Grand Théâtre gastiert. Die Koproduktion mit den Wiener Festwochen, dem Züricher Schauspielhaus, dem Odeon-Nationaltheater in Paris und der Berliner Volksbühne wurde im vergangenen Jahr als ungewöhnlich innovativ gefeiert, aber auch heftig diskutiert. Auf der Besetzungsliste finden sich illustre Namen wie Josef Ostendorf und Irm Hermann, die vor 45 Jahren mit Fassbinder und Schygulla das Münchener antiteater gründete.

Ödön von Horváths Stück erzählt die Geschichte von Elisabeth, einer jungen Frau, die in den Wirren der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren den Boden unter den Füßen verliert. Sie fällt aus dem sozialen Netz, scheitert an Bürokratie, Desinteresse und Mitleidslosigkeit. Einen "kleinen Totentanz" nennt Horváth die Tragödie, die ihren dramatischen Höhepunkt darin findet, dass Elisabeth, bevor sie sich umbringt, alle Menschen trifft, die ihren Absturz begleitet und befördert haben.

Er habe nichts "beschönigt" und nichts "verhässlicht", schreibt Horváth. Er müsse aber feststellen, dass die Gefühlsäußerungen der Menschen "verkitscht sind, das heißt verfälscht, verniedlicht und nach masochistischer Manier geil auf Mitleid".

Es ist das vierte Stück von Horváth, das Christoph Marthaler inszeniert - und eines seiner liebsten.

» In einem besonderen, zeitlosen, lupenartig fortschreitenden Stil, von ernüchternd grauer Atmosphäre umgarnt und kitschig musikalischer Sentimentalität übertüncht, schildert das anfangs befremdend wirkende Schauspiel ein tragisches soziales Einzelschicksal als Symptom gesellschaftlicher Ungereimtheiten, Missstände und Übergriffe. […] Christoph Marthaler [gelingt es] die allgemein wuchernde, egoistische Teilnahmslosigkeit am traurigen Schicksal einsamer, verlorener Mitmenschen nachhaltig anklagend zur Schau zu stellen. Theater im klassischen Sinne der moralischen Anstalt, oder gemäß Goethe kritisch aufklärerische Betrachtung des menschlich allzu Menschlichen. Tageblatt

» Dass die Abwesenheit von regelnden Mächten nicht in die Anarchie führt, erklärt der Sprecher mit der Kraft der Musik: "Wir haben keinen Staat mehr, wir bilden nur mehr einen Gesangsverein!" So verblüffend humorvoll und einleuchtend hat wohl noch keiner ein mögliches Paradies auf den Punkt gebracht. nachtkritik.de

» Kein kleines sozialkritisches Kammerstück aus dem Lokalgericht, sondern ein großes Bühnenwerk ist Glaube Liebe Hoffnung - ein Totentanz, vielleicht sogar Horváths gewichtigstes Werk. Christoph Marthaler hat ihm eine solche Bedeutung wiedergegeben. Deutschlandradio Kultur

» Im Marthaler-Land stirbt man öfter, von Schubert und Chopin getröstet, von schäbiger Eleganz in den ewigen Schlaf gewiegt. Ein kleiner Totentanz, ein später, großer Festwochen-Höhepunkt im Museums-Quartier, der seinen wohlwollenden Applaus verdient hat. Der Standard

» ... am Ende des dreieinhalbstündigen Abends gab es einhelligen Jubel für den - neben Martin Kušej - wohl subtilsten Horváth-Exegeten des Gegenwartstheaters. Ein großer, gewiss auch polarisierender Wurf ist seine Neudeutung des kurz vor Hitlers Machtergreifung entstandenen Stückes. [...] Marthaler entfaltet mit einer Fülle bizarrer, abgründiger und poetischer Einfälle das Pandämonium der zum Teil recht kauzigen, bieder-abgründigen Horváthschen Spießer-Figuren. [...] eine eigenwillige, den Dichter beim Wort nehmende Horváth-Neuinterpretation mit einem schlichtweg großartigen Ensemble. Wiener Zeitung

[FR] » Le metteur en scène suisse joue sur l’effet d’étirement et de répétition involontaire, dégageant ainsi de manière quasi naturelle l’incongruité de certains propos et le grotesque des situations. D’Lëtzebuerger Land

 [DIS]

Mit
Elisabeth
Olivia Grigolli
Elisabeth Sasha Rau
Ein Schupo (Alfons Klostermeyer) Ueli Jäggi
Präparator Jean-Pierre Cornu
Der Baron mit dem Trauerflor Ulrich Voß
Irene Prantl Bettina Stucky
Der Herr Amtsgerichtsrat / Oberpräparator / Der Oberinspektor Josef Ostendorf
Frau Amtsgerichtsrat Irm Hermann
Joachim, der tollkühne Lebensretter / Ein Invalider / Tierkoordinator / Ein zweiter Schupo Thomas Wodianka
Pianist / Vorstand Clemens Sienknecht
Drei Fräuleins Sophia Maria Keßen, Elisabeth Werdermann, Sophie Zeuschner

Regie Christoph Marthaler
Bühne Anna Viebrock
Mitarbeit Blanka Radoczy
Kostüme Sarah Schittek
Licht Phoenix (Andreas Hofer), Johannes Zotz
Musik Clemens Sienknecht (Pianist), Martin Schütz (Lautsprecherorchester), Christoph Marthaler / Uli Fussenegger / Reinhold Brunner (Musik. Bearbeitung)

Sounddesign & Realisierung
Lautsprecherorchester Klaus Dobbrick
Regie-Mitarbeit Gerhard Alt
Dramaturgie Malte Ubenauf, Stefanie Carp
Koproduktion Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Wiener Festwochen, Schauspielhaus Zürich, Théâtre National de l'Odéon (Paris), Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (Berlin)

 

Jeudi 14 NOVEMBRE 2013 à 19h00 (tickets)
Vendredi 15 NOVEMBRE 2013 à 19h00 (tickets)

 DURÉE 3h15 & entracte

Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (in Deutsch)

Adultes 25€, 20€, 15€ / Jeunes 8€

Lieu: Grand Théâtre / Grande Salle réduit

  

[TICKETS]2013-11-14 19:00:00 15636+2013-11-15 19:00:00 15637